Die These vom Einzeltäter

Dezember 21st, 2010 Kommentare deaktiviert

Das Leben könnte so schön sein: Einfach, gradlinig und ohne Wirrungen. Die CDU in Rheinland-Pfalz lebt solch’ ein schönes Leben. Richtigerweise muss man sagen: Die „neue“ CDU. Glaubt man der Argumentation dieser „neuen“ Parteiführung, dann geht der Parteienfinanzierungsskandal (401.086,32 Euro illegal verwandter Steuergelder) einzig und allein auf das Konto eines Einzeltäters: Christoph Böhr. Jener war Chef der „alten“ CDU. Die gibt es jetzt nicht mehr – sagt die „neue“ CDU.
Von dieser „alten“ CDU – auch hier muss man einfach der Argumentation der „neuen“ CDU glauben – ist nämlich niemand mehr in Amt und Würden – sind alle mit Böhr abgetreten – verschwunden – haben sich aufs Altenteil verabschiedet. Und weil das so ist, kann die „neue“ CDU auch umfassend, schonungslos und ohne persönliche Reue und Schuld „aufklären“. Das hat die jetzige Vorsitzende der „neuen“ CDU, Julia Klöckner, angekündigt. Sie war ja – auch hier bitte ich den Leser um krampfhaftes Festhalten der CDU-Argumentationslinie – damals, also zu Zeiten der „alten“ CDU, nicht in Amt und Würden – sie ist neu, frisch und die „Hoffnungsträgerin“.
Doch leider verfängt dies nicht – das Leben ist kein Bilderbuch, in dem man nur sieht, was man sehen will!

Die „neue“ CDU ist durch eine breite Personalkontinuität mit der „alten“ CDU verbunden, ja sogar deckungsgleich. Julia Klöckner war 2006 im Wahlkampfteam von Christoph Böhr zuständig für die Bereiche Umwelt und Verbraucherschutz. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sie bei keiner der Runden dabei war, an denen auch die Agenturen C4 und Allendorf Media AG teilgenommen haben. Julia Klöckner war damals auch bereits im Vorstand der CDU Rheinland-Pfalz und hatte so Einblicke in die Machenschaften der Riege um Böhr gehabt haben können. Entweder sie spricht die Unwahrheit oder sie wollte nicht sehen, was da passierte.

Aber von den heute noch aktiven und in führenden Positionen sitzenden Parteifunktionären der CDU in Rheinland-Pfalz ist es nicht nur Julia Klöckner, die heute noch in der ersten Reihe sitzt.

Hans-Josef Bracht war damals in entscheidender Position, ebenso wie Maria Böhmer. Heute ist sie im Kabinett Merkel für die Integration zuständig. Adolf Weiland war in Böhrs Teams zuständig für die Bereiche Bildung und – Achtung! – Michael Billen für den ländlichen Raum. Kommt etwa daher das sonderbare Verhalten der Julia Klöckner gegenüber dem Landwirt aus Kaschenbach? Verbindet sie mehr, als nur das Parteibuch? Teilen sie ein dunkles Wissen an die Ära Böhr, die es Klöckner verbietet, Billen fallen zu lassen?

Wenn Klöckner jetzt „schonungslose Aufklärung“ verspricht, dann muss sie erst mal ihre Rolle in der Ära Böhr schonungslos aufklären – sonst hat sie jede Autorität als Aufklärerin schon heute verloren.

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