Unter der Panade des Schweineschnitzels

Oktober 14th, 2010 § 0 comments

Foto: siepmannH pixelio.de

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Eine „Affäre“ um ein kaltes Schweinestück, ein halbes Jahr alt, wird von RTL und BILD gierig aufgegriffen – und von Julia Klöckner. An dieser Stelle wollen wir darüber sprechen, wie sie versuchte, auf diese Geschichte aufzuspringen und was das über ihren Wahlkampf aussagt.

Was war geschehen: Kurzzeitig las man auf der Seite der CDU die Meldung und Empörung der Bewerberin für die kommende Landtagswahl, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung der Lehrerin aus Betzdorf nicht genügend den Rücken gestärkt hätte in der „Affäre“. Das allein wäre keine Erwähnung wert. Aber vor dem Hintergrund kürzlich durch die Medien geisternder Berichte von Diskriminierungen und Drangsalierungen deutscher Schüler an deutschen Schulen durch Ausländer und Migranten bekommt diese Meldung eine ganz andere und gruselige Dimension. Gepaart mit Klöckners Verweigerung muttersprachlichen Unterrichts für Migranten (wider besseren Wissens der Experten) und ihrer Weigerung islamische Glaubensrichtungen als Körperschaften des öffentlichen Rechts anzuerkennen und sie damit den Kirchen im Lande gleich zu stellen (mit allen Rechten aber auch Pflichten!) und schließlich ihrem kreuzzüglerischen Untertönen hier und da, wird eine unheilvolle Linie in ihrem Wahlkampf sichtbar: Stigmatisierung und das Spiel mit diffusen Ängsten der Bürgerinnen und Bürger! Damit spaltet Klöckner, statt zu einen – grenzt aus, statt zu integrieren – reißt Brücken ein, wo ein schmaler Steg verband! Wir kennen das aus den Koch’schen Wahlkämpfen in Hessen.

Bleibt zu hoffen, dass die Menschen im Land ein kritisches Auge darauf werfen…

Update: Nach einer Studie der “Friedrich-Ebert-Stiftung” wünscht sich jeder Zehnte in Deutschland einen “Führer” und jeder Dritte will Ausländer zurückschicken: Rechtsextreme Ansichten sind nach dieser Studie zufolge tief in der Gesellschaft verwurzelt – in der Wirtschaftskrise bekamen sie noch einmal Auftrieb. Die Intoleranz gegenüber dem Islam ist sogar mehrheitsfähig. Es war auch damals eine Wirtschaftskrise, welche die antisemitischen Ressentiments nach Buchenwald schwappen ließ. Vor dieser Studie kommt der Politik eine besondere Verantwortung zu, auch und gerade in Wahlkämpfen! Wehe, wer hier mitzündelt…

Update II: Die CDU macht eine Schnitzel Jagt – Ein halbes Jahr nach den Vorkommnissen hat auch die bildungspolitische Sprecherin der CDU in Rheinland-Pfalz das kalte Schnitzel für sich aufgetan. Nach einem halben Jahr und erst nachdem es die Boulevardpresse und –fernsehen durch den Fleischwolf gedreht haben! Peinlich, peinlich…

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